Verehrter Leser.
Nach langer Abwesenheit in verschiedenen Dschungel-, Steppen- und Bergwildnissen sehe ich mich nun (endlich! und der Leser denkt: oho!) wieder im Stande, die hier ehedem so großspurig angekündigten Botani- und Zoologisierungsarbeiten erneut freudig und gewissenhaft aufzunehmen. So sollen also in diesem kleinen Büchlein nach und nach einige interessante Funde vorgestellt werden; der geneigte Leser möge sich sein Urteil bilden, sich an den gezeigten Sensationen ergötzen und sei obendrein herzlichst zur Diskussion eingeladen. Doch nun: genug des Geschwätzes. Voran! Begonnen!

Samstag, 30. August 2008

Exp.No.III-VI

Gleich vier summende Flugwesen gingen mir kürzlich ins Netz. Prachtexemplar ein jedes einzelne.

Exp.No.III

Episyrphus balteatus (Hainschwebfliege)

Eine Schönheit aus der Familie der Syrphidae. Ja, eine Schönheit.


Exp.No.IV

Sarcophaga carnaria (Graue Fleischfliege)

Obwohl als Fleischfliege zu anderem verpflichtet, läßt sich dieser vegetarische Abkömmling der hochangesehenen Familie der Sarcophagidae seine in der Sonne gammelnde, jedoch rein auf Pflanzenbasis basierende Jausenbanane schmecken.


Exp.No.V

Lucilia sericata (Goldfliege)

Nun, das denke ich zmindest: daß es eine Lucilia sericata ist. Man berichtige den Irrtum, sei es denn einer. Ich würde danken. Im Namen der Wissenschaft.

Exp.No.VI

Musca domestica (Stubenfliege)

Auch hier ist sich der Autor nicht ganz sicher. Eventuell handelt es sich auch um eine Musca autumnalis. Jedenfalls aber den Echten Fliegen angehörig.

Sonntag, 17. August 2008

Noch mehr Gefleuch am Tatzelwurm.


Eine neue Tierart ist entdeckt! Denn tatsächlich, verehrte Leser, hat sich in meinen Aufzeichnungen ein weiterer, hochinteressanter Eintrag gefunden. Die schöne Color-Photographie eines gänzlich unbekannten, wahrscheinlich von mir selbst neu entdeckten geflügelten Käferchens oder besser Insekts. Wippend auf einer jungfräulichen Waldmeisterblüte. Und darum, liebe Fachwelt, benenne ich diese kleine (wahrscheinlich auch ganz harmlose) Waldfliege: Waldmeistertierchen. Wie elegant sie den himmlischen Nektar schlürft!

Freitag, 8. August 2008

Der Tatzelwurm

Nun also! Nun ist es gelungen! Die Entdeckung des Tatzelwurm! Noch erhole ich mich von den Strapazen der Forschungsreise -- mein Forschergeist und -gehirn jedoch tanzt und kapriolt bereits ob der Sensation. Lange, entbehrungsreiche Märsche, eisige, fürchterliche Gewitternächte im alten, von den Reisen durch unbekanntes (und schwerlich erdbebensicheres) Gebiet zerschlissenen Zelt, halbverdurstet im glutheissen Staub der Sandebenen, geplagt vom Schwindel schneeflockenverwirbelter Höhen, halb erstunken in der sumpfigen Höllensauna der Moorwälder. Doch nun! Doch nun!!
An einem tosenden Flusse, hoch droben in den Bergen, unfern eines Wirtshauses: der Pfad! Dann der reissende Wildbach, der Wasserfall! Ein Stück flußaufwärts: die Höhle im Eisgumpen, Unterschlupf und Wohnstatt der jungfrauenverschleppenden Bestie!


Die Erforschung des gefährlichen Weges:




Der wackere Forscher in Gefahr:




Das Nest im Wasserfall:


(Das Nest! Gefunden! Aber es ist leer, die Kreatur ist ausgeflogen, ist auf Raubzug und Jungfernfang. Ich warte einige Tage und Nächte, gut versteckt in den Felsen kauernd. Der Wurm bleibt aus. Magenknurrend und zähneknirschend mache ich mich an den Abstieg zum Wirtshaus.)



Dann schließlich! Mir auf dem Heimwege im hohen Grase auflauernd: Das grauenhafte Untier.



Welch erstaunliche Creatur! Daß ich nach den Aufnahmen umgehend die Flucht talwärts antrat, läßt sich angesichts der Hochgefährlichkeit dieses unheimlichen Wesens leicht erraten. Trotzdem: ein Sieg der Wissenschaft und des Forschertums. Der Tatzelwurm! Der Tatzelwurm!

Exp.No.II

Porcellio scaber (Kellerassel)
Welch ein prächtiges und riesenhaftes Exemplar dieses recht häufig vorkommenden Gliederfüßers! Unter großen Mühen und Gefahren nur gelang es mir (zumal in der Gegend des sagenhaften Tatzelwurmes und seiner schaurigen Höhle unter dem tosenden Wasserfalle!) diese Aufnahme anzufertigen -- und nur knapp entkam ich dem Auffraß durch den hungrigen Arthropoden (Höherer Krebs +4, Gift- und Beißattacke, immun gegen Schimmel- und Verrottungsangriffe)!

Exp.No.I

Papilio machaon (Schwalbenschwanz)
Ein äußerst ansehnlicher Tagfalter aus der ehrwürdigen Familie der Ritterfalter (oder Papilionidae, wie der Lateiner sagt). Sehen Sie genau hin! Der kleine Kerl (der im Vergleich zu anderen Schmetterlingskollegen gar nicht so klein erscheint) hat sich am Flügel verletzt. Möglicherweise in einem schweren Unwetter. Oder im ehrvollen Kampfe mit anderen (und möglicherweise schwarzen!) Chevalliers. Der Tapfere.

Donnerstag, 30. August 2007

Ah. Heute keine Forschungsreisen. Es regnet und ich mag nicht vor die Tür gehen. Beschäftige mich stattdessen mit der künstlichen Herstellung von Kleinlebewesen. Die Leidener Männlein machen sich schon sehr gut in ihren Glaskolben. Es klappt recht hervorragend mit dem Leben einhauchen. Nur ist die Großzahl der Homunculi von erschreckend fürchterlicher Gestalt. Und das gequälte Stöhnen der armen Kreaturen trübt meine Freude über den wissenschaftlichen Erfolg. Muß versuchen ihnen ein ansehnlicheres Antlitz zu verschaffen. Und eventuell das Singen beibringen. Werde mich also an künstlichen Zwergsittichen und Angorakaninchenwelpen versuchen. Fraglich nur, wo ich heute noch genügend Mäuseleim und Koropalaspit herbekomme.

Dienstag, 28. August 2007

Endlich wieder Zeit zu schreiben. Sitze hier mit frischem Kaffee und Tabak und lasse die vergangenen Tage Revue passieren. Habe ein Dorf eine knappe Tagesreise weiter westlich besucht. Die Eingeborenen dort reden ein wirres, vollkommen unverständliches Kauderwelsch, viel schlimmer noch als hier. Sie nehmen ausschließlich Salzgebäck und Schmalzkringel zu sich (hin und wieder eingesülzten Schweinsmagen) und starren den ganzen Tag lang von kleinen Hügeln aus auf ihre Seen und Wälder. Abends sitzen sie vor ihren Hütten und fertigen kleine, sehr possierliche Kunstgegenstände aus Zinn, Hirschgeweihen, Holz oder Muscheln. Beleidigt man ihren toten, verrückten König, den sie sehr verehern, so sieden sie einen in einem grossen Kessel zu Kernseife. Habe vorsichtshalber den Mund gehalten und mich nicht gewaschen.

Den Tatzelwurm habe ich noch nicht gesehen, werde mich aber weiter auf die Lauer legen. Auch die Salamander sollen hier bisweilen erscheinen. Will mir einen fangen.